21. Juli 2025 von Theo Döllmann
Nach der Generalsanierung der Riedbahn ist eine kleine Verbesserung erkennbar
Im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit an der Uni untersuche ich derzeit räumliche Verspätungsmuster. Das habe ich als Anlass genommen, um eine Untersuchung zur Auswirkung der Generalsanierung auf der Riedbahn durchzuführen. In diesem Blogbeitrag versuche ich genau so viel Kontext zu Verspätungen und der Generalsanierung zu geben, dass die Ergebnisse verständlich sind, ohne aber jedes letzte Detail genau auszuschmücken.
TLDR: Ein halbes Jahr nach der Generalsanierung ist die Laufzeitverspätung auf der Riedbahn zurückgegangen. Ob die Generalsanierung für die Verbesserung verantwortlich ist, lässt sich aus den Daten allerdings nicht ablesen.
Laufzeit- vs. Haltezeitverspätung
Züge können auf zwei Arten Verspätung sammeln: entweder beim Halt an einem Bahnhof oder auf der Strecke zwischen den Halten. Sehr vereinfacht betrachtet sind Halteverspätungen eher Ereignissen am Halt geschuldet, während Laufzeitverspätungen meist auf Störungen auf der Strecke beruhen. Natürlich gibt es viele und häufige Ausnahmen, und die beiden Verspätungsarten bedingen sich auch gegenseitig.
Durch die Generalsanierung der Riedbahn wurde die Strecke zwischen Mannheim und Frankfurt erneuert. Mit der vereinfachten Verspätungsvorstellung von Haltezeit- und Laufzeitverspätungen gehe ich davon aus, dass sich durch die Generalsanierung vor allem die Laufzeitverspätung verbessert hat. Zwar wurden auch einige Bahnhöfe modernisiert, allerdings halte ich es für unwahrscheinlich, dass dadurch zum Beispiel das Ein- und Aussteigen merklich schneller wird.
Für die folgende Analyse betrachten wir aus diesen Gründen nur die Laufzeitverspätung.
Analysezeitraum
Die Generalsanierung der Riedbahn wurde vom 15. Juli bis zum 15. Dezember 2024 durchgeführt. Zwischen dem 1. und 22. Januar 2024 war die Strecke bereits für Vorbereitungsarbeiten gesperrt. Um den erhofften Verbesserungseffekt der Sanierungsarbeiten zu prüfen, habe ich jeweils einen Testzeitraum vor und nach den Arbeiten definiert. Damit potenzielle saisonale Muster möglichst keine Rolle spielen, verwende ich jeweils den gleichen Zeitraum.
Vor der Generalsanierung: 23. Jan. – 14. Juli 2024
Nach der Generalsanierung: 23. Jan. – 14. Juli 2025
Wo fährt der Zug?
Ich möchte die Verspätungen gerne auf einer Karte anzeigen. Die eigentlich triviale Frage, auf welcher Strecke ein bestimmter Zug genau fährt, ist aus den Daten nicht eindeutig ableitbar. In den Daten sind nur die Halte der Züge enthalten. Anhand der Zugkategorie und des Schienennetzes von OpenStreetMap leite ich die vermutlich gefahrene Strecke ab. Die Verspätung des Zuges auf dieser Strecke wird dann gleichmäßig auf die einzelnen Streckensegmente verteilt. Das funktioniert im Allgemeinen gut. Wird aber beispielsweise ein Zug umgeleitet, fließt er fehlerhaft in die Statistik ein – ein Problem, das sich mit den vorliegenden Daten nicht sauber lösen lässt.
Ergebnisse
In Abbildung 1 ist die durchschnittliche Verspätung auf der Riedbahn vor und nach der Generalsanierung abgebildet. Die Riedbahn ist die mittlere der in der Abbildung gezeigten Zugstrecken, die Mannheim direkt mit Frankfurt verbindet. Je deutlicher die Umrandung der Strecke, desto mehr Verkehr weist sie auf.

Insgesamt ergibt sich in Abbildung 1 ein gemischtes Bild. Auf vielen Strecken wird eher Verspätung gesammelt (Rottöne), auf anderen eher Verspätung abgebaut (Blautöne), und bei wieder anderen bleibt die Verspätung im Schnitt konstant (Schwarz).
Vergleicht man die Farbtöne auf der Riedbahn vor und nach der Generalsanierung, zeigt sich eine leichte Verbesserung: Die Rottöne sind weniger intensiv. Nach meiner Einschätzung kommt nach der Sanierung etwa eine Sekunde weniger Verspätung pro Fahrtkilometer hinzu. Dennoch sorgt die Riedbahn nach wie vor tendenziell für Verspätungen.
Fernverkehr
Glaubt man der Deutschen Bahn, die die Riedbahn als „Aorta“ des deutschen Schienennetzes bezeichnet, spielt sie im Fernverkehr eine besondere Rolle. Daher habe ich neben dem Gesamtverkehr auch den Fernverkehr separat betrachtet. Er ist in Abbildung 2 dargestellt. Dabei fällt sofort auf, dass der Fernverkehr auf weniger Strecken verkehrt und die Farben aufgrund der längeren Streckenabschnitte weniger stark variieren.

In Abbildung 2 ist, wie auch im Gesamtverkehr, ein leichter Rückgang der Verspätung zu erkennen. Meiner Einschätzung nach sinkt sie hier von etwa 4 Sekunden auf etwa 2 Sekunden pro Kilometer. Genaue Zahlen liefere ich absichtlich nicht, da exakte Daten in diesem Fall vermutlich nur von der Bahn selbst stammen können. Die Reduktion wirkt jedoch deutlich. Erkennbar ist auf dieser Karte allerdings nicht, dass die Riedbahn damit weiterhin zu den verspätungsanfälligsten Fernverkehrsstrecken zählt.
Fazit
Nach der Generalsanierung hat sich die Zuverlässigkeit der Riedbahn verbessert. Ob dies allerdings auf die Sanierung selbst zurückzuführen ist, lässt sich aus den Daten nicht ablesen. Die Verbesserung könnte Zufall sein oder zum Beispiel auf Fahrplanänderungen wie großzügigere Puffer zurückgehen. Ich persönlich halte es für wahrscheinlich, dass die Generalsanierung der Riedbahn tatsächlich einen positiven Effekt hatte.
Langfristig werden Generalsanierungen allein für eine klimagerechte Verkehrswende nicht ausreichen. Um Menschen vom Auto auf die Bahn zu bringen, reicht eine reine Angebotsverbesserung nicht aus. Aktuell können wir den Sanierungsstau der Autobahnen dazu nutzen, um zu überlegen, was wir wo sanieren, welche Brücken wir wieder aufbauen, wo sich eine Autobahn in eine Bundesstraße mit weniger Spuren umwandeln lässt und wie wir mit dem gewonnenen Geld und dem neu gewonnenen Platz die Bahn weiter ausbauen können.